Sorry für alle Info-Sauger, aber ich weiß beim besten Willen nicht mehr, WANN jenes Konzert war (vor nem Monat oder so) oder wie die Griechen hießen, wegen denen man eigentlich kommen sollte – aber sie hatten einen Film mitgebracht über die Krawalle in Athen, yay!
Wie kam es nun also zu meinen ersten (und ob meines Umzugs wohl auch letztem) Besuch im legendären KöPi an der Köpenicker Straße in Kreuzberg? Nun, Jano von U-LOCK JUSTICE rief ein oder zwei Tage vorher an und fragte mich nach der Möglichkeit Obdach für die Band zu gewähren. Sie würden im KöPi spielen und hätten keine Ahnung, wie das midde Schlafgelegenheiten sei. Naja, meine Berliner Wohnung ist (war, wenn Sie dies nach dem 23/05 lesen) groß genug um bis zu 10 Leute aufzunehmen, ohne daß ich auf dem Boden schlafen müsste, weswegen ich zustimmte und dementsprechend natürlich auch zum Konzert ging.
Ein Kumpel von mir hatte gerade in den Tagen davor seine Meinung zum KöPi mehrfach kundgetan. Als Radfahrer auf dessen Nachhauseweg die Köpenicker Straße befahren werden musste, hatte er Horrorstorys über die olfaktorische Beschaffenheit der näheren Umgebung des KöPi zu berichten, die mit “da lag einer besoffen aufer Wiese und (s)ein Hund kackte Zentimeter neben seinen Kopf hin – und der blieb da einfach liegen!” unterstrichen wurden. Ich selbst hatte das KöPi mal beim Spazierengehen durch Kreuzberg gesehen, aber es bis dato weder betreten noch mich ausführlich mit dem Sujet “besetzte Häuser und ihre Bewohner” beschäftigt – man kann sich halt nicht für alles interessieren…
Naja, da ich aus Prinzip Punkkonzerte “gut” gekleidet besuchte (Schlagcordhose plus passendem Jacket, Filzhut, Hemd) fiel ich wohl schon auf, als ich an jenem Abend im KöPi aufschlug, jedoch schienen die meisten Leute da kein Problem mit meinem Aufzug zu haben, auch wenn die eine Bedienung nur widerwillig Limonade an mich abtrat. Fuck her un-gently! Naja, mit fast 29 Lenzen auf dem noch nicht vorhandenen Buckel hatte ich bereits genügend Erfahrungen mit Leuten gemacht, die Toleranz (eine ganz und gar überflüssige Geisteshaltung) predigten, aber in ihrem Umfeld nur uniforme Menschen duldeten. “Alternativ sein” heißt für viele eben nicht umbedingt “anders als jeder” sondern hauptsächlich “anders als Bänker” zu sein…
Aber: die Preise waren dort höchst vernünftigt kalkuliert und Cola gabs auch in 1-Liter-Flaschen, was ich als Durstlappen sehr zu schätzen wusste. Nun unter den Hamburgern (von U-Lock Justice) verbreitete ich also erstmal die Kunde meiner Rückkehr in die Hansestadt, tauschte generelle Informationen über die letzten Monate aus und überraschte sie damit, daß sie zwar den gefordert Eingeladenen nicht treffen würden, dafür aber einen Bekannten, von dem sie gar nicht wussten, daß ich ihn kannte – es war eben jener Kumpel, der sich so abfällig gegen das KöPi geäußert hatte. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, das “Assihaus” auch von innen zu inspizieren, vielleicht sogar um seine Meinung zu revidieren?
Und das ist der Punkt, wo ich mich eventuell für meine Meinung rechtfertigen muss: aber nein, das KöPi stinkt, ist laut und septisch – kurz: das “alternative Leben” geht hier ein bischn zu weit. Ehrlich mal, ich bin jemand, der von Neurodermitis geplagt wird und in schlechteren Zeiten (wie zu diesem Zeitpunkt z.B.) leider einige aufgekratzte Wunden an den üblichen Stellen (Knie- und Armbeugen, Handgelenke und manchmal sogar Achselhöhlen [zum Glück selten]) mit sich rumträgt und in einem solchen Zustand muss man sich einen Besuch des KöPis wirklich gut überlegen. Denn so wie das KöPi (ja auch der “öffentliche” Bereich) sich darstellt, sollte man mit IRGENDEINER offenen, entzündbaren Wunde nicht in die Nähe des Gebäudes gehen. An den Tagen nach dem Konzert im KöPi musste ich jedenfalls wieder anfangen mit Kotison gegen meine Neurodemitis vorzugehen… Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber mir ist das KöPi wirklich einfach ZU eklig – und ich habe schon viel Zeit in dreckigen Löchern (zum feiern oder wohnen) verbracht. Mir tun die Menschen, die dort wohnen MÜSSEN (denn so ist es tatsächlich) wirklich leid.
Also, liebe Berlin-Besucher mit linkem Hintergrund und generellem Interesse an der Hausbesetzerszene: habt ihr gerade akute Hautprobleme oder im Allgemeinen Schwierigkeiten mit heftigen “Dosierungen” von Keimen, Bakterien oder soähnlichemkram – meidet das KöPi so interessant und unterstützenswert der Laden auch ist. Glaubt mir, es ist besser so.
Und an all die Bewohner vom KöPi, die mich jetzt vielleicht als “zu spießig” verschreien: mein Beileid, wenn ihr dort leben müsst, mein Unverständnis, wenn ihr dort freiwillig lebt und nichts gegen den allgegenwärtigen Dreck unternimmt. Sollte ich irgendwann mal genug Geld verdienen um etwas spenden zu können (also im allgemeinen überhaupt jetzt) werde ich versuchen, ans KöPi zu denken und Euch eine Grundreinigung von Fachkräften spendieren. Ehrlich, ich glaub, das ist mal nötig. Würden wir in einer solidarischen Gesellschaft leben, würde der Staat einen solchen Putztrupp zur Verfügung stellen…
Das Konzert reihte sich dann nahtlos in die Berliner Historie der Auftritte von U-Lock Justice bzw. Braindead ein – außer uns standen vielleicht 10-15 Leute vor der Bühne, ob des Eintrittspreises von €5,- (war nebenbei bemerkt ein Soli-Konzert) blieben die Leute lieber vorm KöPi als drinnen der Band zu lauschen (viel mehr war bei den Griechen übrigens auch nicht los). Dementsprechend gut gelaunt waren die Jungs aufer Bühne, spielten dafür aber in der gewohnten Qualität (ordentlich auffe Schnauze
)) Ich kann jedem, der auf guten Hardcore-Punk mit einigen Metalanleihen und außergewöhnlichen Gitarrensoli steht, die U-Locker ans Herz legen. Auch wenns nunmal meine Kumpels sind: ich würde nicht blind zu jedem Konzert von Ihnen watscheln, würde es sich nicht auch musikalisch lohnen. Dafür bin ich zusehr Musikfreak…
Das sich ULJ dazu entschlossen hatten, im KöPi zu pennen, konnte ich zwar (s.o.) nicht nachvollziehen, war mir aber ganz recht, weil ich an dem Abend nicht sonderlich fit war (und echt Juckreiz hatte!) und die Veranstaltung nicht spaßig genug war, um dort ne halbe Ewigkeit zu bleiben. Die Griechen übrigens, deren NAmen ich natürlich vergessen habe, waren eine eher mittelprächtige Metalcore-Band mit einem Sänger, der über das Charisma eines toten Nordseefisches in einem Berliner Supermarkt verfügte und im allgemeinen recht monotoner Mucke, die nicht zum Bleiben und Lauschen einlud.
Naja, jedenfalls war der Abend mit den Jungs ganz nett und hat mich gefreut, sie nochmal in Berlin zu sehen, bevor ich hier verschwinde (Samstag isses soweit, Hamburg ich komme!!!!), aber das KöPi werde ich sicher nicht vermissen. Denn es stinkt ist laut und septisch!