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Schlagwort-Archive: kreuzberg

Sorry für alle Info-Sauger, aber ich weiß beim besten Willen nicht mehr, WANN jenes Konzert war (vor nem Monat oder so) oder wie die Griechen hießen, wegen denen man eigentlich kommen sollte – aber sie hatten einen Film mitgebracht über die Krawalle in Athen, yay!

Wie kam es nun also zu meinen ersten (und ob meines Umzugs wohl auch letztem) Besuch im legendären KöPi an der Köpenicker Straße in Kreuzberg? Nun, Jano von U-LOCK JUSTICE rief ein oder zwei Tage vorher an und fragte mich nach der Möglichkeit Obdach für die Band zu gewähren. Sie würden im KöPi spielen und hätten keine Ahnung, wie das midde Schlafgelegenheiten sei. Naja, meine Berliner Wohnung ist (war, wenn Sie dies nach dem 23/05 lesen) groß genug um bis zu 10 Leute aufzunehmen, ohne daß ich auf dem Boden schlafen müsste, weswegen ich zustimmte und dementsprechend natürlich auch zum Konzert ging.

Ein Kumpel von mir hatte gerade in den Tagen davor seine Meinung zum KöPi mehrfach kundgetan. Als Radfahrer auf dessen Nachhauseweg die Köpenicker Straße befahren werden musste, hatte er Horrorstorys über die olfaktorische Beschaffenheit der näheren Umgebung des KöPi zu berichten, die mit “da lag einer besoffen aufer Wiese und (s)ein Hund kackte Zentimeter neben seinen Kopf hin – und der blieb da einfach liegen!” unterstrichen wurden. Ich selbst hatte das KöPi mal beim Spazierengehen durch Kreuzberg gesehen, aber es bis dato weder betreten noch mich ausführlich mit dem Sujet “besetzte Häuser und ihre Bewohner” beschäftigt – man kann sich halt nicht für alles interessieren…

Naja, da ich aus Prinzip Punkkonzerte “gut” gekleidet besuchte (Schlagcordhose plus passendem Jacket, Filzhut, Hemd) fiel ich wohl schon auf, als ich an jenem Abend im KöPi aufschlug, jedoch schienen die meisten Leute da kein Problem mit meinem Aufzug zu haben, auch wenn die eine Bedienung nur widerwillig Limonade an mich abtrat. Fuck her un-gently! Naja, mit fast 29 Lenzen auf dem noch nicht vorhandenen Buckel hatte ich bereits genügend Erfahrungen mit Leuten gemacht, die Toleranz (eine ganz und gar überflüssige Geisteshaltung) predigten, aber in ihrem Umfeld nur uniforme Menschen duldeten. “Alternativ sein” heißt für viele eben nicht umbedingt “anders als jeder” sondern hauptsächlich “anders als Bänker” zu sein…

Aber: die Preise waren dort höchst vernünftigt kalkuliert und Cola gabs auch in 1-Liter-Flaschen, was ich als Durstlappen sehr zu schätzen wusste. Nun unter den Hamburgern (von U-Lock Justice) verbreitete ich also erstmal die Kunde meiner Rückkehr in die Hansestadt, tauschte generelle Informationen über die letzten Monate aus und überraschte sie damit, daß sie zwar den gefordert Eingeladenen nicht treffen würden, dafür aber einen Bekannten, von dem sie gar nicht wussten, daß ich ihn kannte – es war eben jener Kumpel, der sich so abfällig gegen das KöPi geäußert hatte. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, das “Assihaus” auch von innen zu inspizieren, vielleicht sogar um seine Meinung zu revidieren?

Und das ist der Punkt, wo ich mich eventuell für meine Meinung rechtfertigen muss: aber nein, das KöPi stinkt, ist laut und septisch – kurz: das “alternative Leben” geht hier ein bischn zu weit. Ehrlich mal, ich bin jemand, der von Neurodermitis geplagt wird und in schlechteren Zeiten (wie zu diesem Zeitpunkt z.B.) leider einige aufgekratzte Wunden an den üblichen Stellen (Knie- und Armbeugen, Handgelenke und manchmal sogar Achselhöhlen [zum Glück selten]) mit sich rumträgt und in einem solchen Zustand muss man sich einen Besuch des KöPis wirklich gut überlegen. Denn so wie das KöPi (ja auch der “öffentliche” Bereich) sich darstellt, sollte man mit IRGENDEINER offenen, entzündbaren Wunde nicht in die Nähe des Gebäudes gehen. An den Tagen nach dem Konzert im KöPi musste ich jedenfalls wieder anfangen mit Kotison gegen meine Neurodemitis vorzugehen… Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber mir ist das KöPi wirklich einfach ZU eklig – und ich habe schon viel Zeit in dreckigen Löchern (zum feiern oder wohnen) verbracht. Mir tun die Menschen, die dort wohnen MÜSSEN (denn so ist es tatsächlich) wirklich leid.

Also, liebe Berlin-Besucher mit linkem Hintergrund und generellem Interesse an der Hausbesetzerszene: habt ihr gerade akute Hautprobleme oder im Allgemeinen Schwierigkeiten mit heftigen “Dosierungen” von Keimen, Bakterien oder soähnlichemkram – meidet das KöPi so interessant und unterstützenswert der Laden auch ist. Glaubt mir, es ist besser so.
Und an all die Bewohner vom KöPi, die mich jetzt vielleicht als “zu spießig” verschreien: mein Beileid, wenn ihr dort leben müsst, mein Unverständnis, wenn ihr dort freiwillig lebt und nichts gegen den allgegenwärtigen Dreck unternimmt. Sollte ich irgendwann mal genug Geld verdienen um etwas spenden zu können (also im allgemeinen überhaupt jetzt) werde ich versuchen, ans KöPi zu denken und Euch eine Grundreinigung von Fachkräften spendieren. Ehrlich, ich glaub, das ist mal nötig. Würden wir in einer solidarischen Gesellschaft leben, würde der Staat einen solchen Putztrupp zur Verfügung stellen…

Das Konzert reihte sich dann nahtlos in die Berliner Historie der Auftritte von U-Lock Justice bzw. Braindead ein – außer uns standen vielleicht 10-15 Leute vor der Bühne, ob des Eintrittspreises von €5,- (war nebenbei bemerkt ein Soli-Konzert) blieben die Leute lieber vorm KöPi als drinnen der Band zu lauschen (viel mehr war bei den Griechen übrigens auch nicht los). Dementsprechend gut gelaunt waren die Jungs aufer Bühne, spielten dafür aber in der gewohnten Qualität (ordentlich auffe Schnauze :-) )) Ich kann jedem, der auf guten Hardcore-Punk mit einigen Metalanleihen und außergewöhnlichen Gitarrensoli steht, die U-Locker ans Herz legen. Auch wenns nunmal meine Kumpels sind: ich würde nicht blind zu jedem Konzert von Ihnen watscheln, würde es sich nicht auch musikalisch lohnen. Dafür bin ich zusehr Musikfreak…

Das sich ULJ dazu entschlossen hatten, im KöPi zu pennen, konnte ich zwar (s.o.) nicht nachvollziehen, war mir aber ganz recht, weil ich an dem Abend nicht sonderlich fit war (und echt Juckreiz hatte!) und die Veranstaltung nicht spaßig genug war, um dort ne halbe Ewigkeit zu bleiben. Die Griechen übrigens, deren NAmen ich natürlich vergessen habe, waren eine eher mittelprächtige Metalcore-Band mit einem Sänger, der über das Charisma eines toten Nordseefisches in einem Berliner Supermarkt verfügte und im allgemeinen recht monotoner Mucke, die nicht zum Bleiben und Lauschen einlud.
Naja, jedenfalls war der Abend mit den Jungs ganz nett und hat mich gefreut, sie nochmal in Berlin zu sehen, bevor ich hier verschwinde (Samstag isses soweit, Hamburg ich komme!!!!), aber das KöPi werde ich sicher nicht vermissen. Denn es stinkt ist laut und septisch!

Ich weiß, ihr habt sie alle gesehen – die Bilder aus Kreuzberg vom 1. Mai diesen Jahres. Und ich vermute, einige haben sogar ein paar Berichte aus der Presse zu diesem Thema konsumiert, Ich nicht, Wozu auch? Ich war am ersten Mai auf allen drei, “linken” Demonstrationen in Berlin (die Gewerkschaftdemo habe ich selbstverständlich gemieden – VERFLUCHT SEIEN SIE! Elendes korrumpiertes Lobbyisten-Gesindel!) und habe als Teilnehmer meine eigenen Erfahrungen gemacht.

Freitag, 1. Mai, 10:30
[aus dem Gedächnis nachtextend]
“Wir wollen uns [...] treffen [...] noch duschen dann [...]“
“hrmpfelum (schriftlich nicht wiederzugebendes ‘grade aufgewacht’-Gemurmel) … Ess-Ban Frannfurder All?”
“Ostkreuz! Schaffst [...] eine Stunde”
“Klar, bis dann.”
“Bis dann.”
Eine rauchen
Waschen
Eincremen (Neurodemitis)
Rucksack leeren
In den Rucksack:
Kapuzenjacke (Baumwolle, vollverschließbar)
1,5 l Zitronenbrause von Kaufland
Hut
Antiallergikum
Klopapier
Anziehen, eine rauchen, puh!

Keine Ahnung, ob ich rechtzeitig war, ich ging los, sobald es ging. Ausflug nach Köpenik also, wo auch immer das ist, Naziaufmarsch verhindern, NPD-Parteizentrale und so, mit Peter, Paul und Benny. Aber erstmal Vorräte aufstocken, beim freundlichen U-Bahn-Bäcker vom Rathaus Neukölln. Zwei Schokokrossongs undn großer, schwarzer Kaffe, eins-fünfzig genau, danke, danke, schönen Tag.
Die Bahn kommt, Ist sie voll, leer oder medium? Ich stehe jedenfalls, sind nur zwei Stationen, das hält man aus, Musik habe ich keine auf den Ohren, was ich schleunigst bereue, weil sich langsam aber sicher ein unvermittelter Ohrwurm in meinen Gehirnwindungen breitzumachen droht. There I was completely wasted. Umsteigen, Neukölln, mitschwimmen in der Suppe Mensch, emporgetragen zu den Gleisen. All inside its so frustrated as I drift from town to town. Warten, fünf Minuten mindestens, die Menschen reihen sich am Bahnsteig auf. Feel as though nobody cares if I live or die. Also Demotag heute, wie gestern besprochen, drei Demos an einem Tag, beginnend mit der Anti-Nazi-Demo in Köpenick. Ja, ich hab ne Tageskarte. Die Bahn fährt ein. So I might as well begin to put some action in my life.

Es ist gar nicht so weit, der Weg zum Ostkreuz. Breaking the Law.
Drei Stationen, stehen geht. Breaking the Law.
Die Sonne scheint, es ist warm. Breaking the Law.
Telefon…Breaking the-Telefon?!
Ja, bin gleich da, nächste Station, anner S3? Bahnsteig? Hinten? Okay, Bisgleich. Bis gleich.
Benny. (breaking the law)

Natürlich fuhr die S3 nach Köpenik nicht. Autonome hatten die Gleise besetzt. Vorläufig vollständig standen wir, aus einem unerfindlichen Grund in Gesellschaft einer uns unbekannten bekennenden Sozialistin (SDS), ratlos auf dem Gleis gen Osten. Wären noch mehr Studenten dabei gewesen, hätten wir wahrscheinlich ein Plenum gehalten. Doch nein! Der Mann ohne Namen (vergessen, wuschelköpfig) ist im Besitz neuester Technologie und leitet uns um über U-Bahn und Bus. Iphone sei dank, der Tag ist gerettet [/ironie].
Beim Umsteigen erreichten wir perfektes Zigarettenpausebeiaufbahnwarten-Timing, stiegen irgendwo im unzivilisierten Ostteil der Stadt aus und verbrachten unter ob des Wetters fadenscheiniger Wut die nächsten zwanzig Minuten mit Warten (sollte dieser Satz wider Erwarten grammatikalisch korrekt sein, verlange ich einen Keks [mit Schoki]).
Als wir schließlich Köpenique erreichten, war offenkundig, daß wir die Äktschn wohl großteilig verpasst hatten:
Die Hauptstraße am Bahnhodf sah schon nach “Post-Volksfest” aus, Autos fuhren zwar keine, aber es herrschte eine Leere, die uns zeimlich deutlich machte, daß hier nix mehr zu sehen war. Wir machten uns dennoch auf die Suche nach dem antifaschistischen Mob und fanden ihn nach einiger Zeit des Geradeausgehens in einer Seitenstraße, trötent und in der üblichen Form zusammengerottet. Ich glaub eine von diesen nullstimmigen Mädchen, die immer in den Lautsprecherwagen sitzen, erzählte grad mal wieder irgendwas vom Sieg über die Nazis, aber wie üblich (vgl. das beschreibende Adjecktiv vor ‘Mädchen’) konnte man nur ein paar Stichworte hören. Die Erinnerung ist übrigens blass, es könnte auch durchaus sein, daß anstelle eines überflüssigen, weil unverständlichen, Redebeitrags bereits Musik gespielt wurde. “Schrei nach Liebe” hab ich dort jedenfalls gehört, das Lied verursachte ein wenig Nostalgie. Noch schöner war allerdings, daß tatsächlich “Breaking The Law” gespielt wurde, als sich der Lauti schließlich in Bewegung setzte, um einen Marsch bis zwei Straßen weiter zum nächsten Redebeitrag zu beginnen. Köpenniker Nazis fotografierten uns aus den umliegenden Häusern, einer von den Deppen machte sich per Hitlergruß von seinem Balkon strafbar (hab ich nich gesehn, nur gehört) und die hübsche, unbekannte Sozialistin verschwand mit ihrer gefundenen Bezugsgruppe aus unseren Reihen. Bei der Rede unseres guten, alten Opportunistenfreundes Gregor Gysi sah ich sie noch einmal, bevor sie endgültig aus unseren Leben verschwand.

Köpenik war also gegessen und nun begann, was ich “Zeit des überflüssigen Herumlungerns” nennen möchte. Unsere Bezugsgruppe versorgte sich mit studentenkompatiblen Fastfood von Subways und nervte meinereiner mit allgemeiner Bewegungsverweigerung. Als wir schließlich dann doch noch zurück zum Bahnhof gingen, ließen sie mich, wegen meines Kaffe-Kaufs, in Köbbenick zurück – ich irrte zwei-dreimal über den gesamten Bahnsteig, bevor mich Benny per Teflon darüber informierte, daß sie bereits in die andere Bahn gestiegen sein, um durch strategisch kluges Zurückfahren Sitzplätze zu ergattern. Natürlich nannte ich sie “Pissnelken” und “unsolidarisches Pack” als ich mich wieder in ihre Reihen begab. Es ging nun also zur MAYDAY, die vor der HU starten sollte.

Ich wollte ursprünglich nicht zur Mayday, weil ich diese Veranstaltung für jene der Gewerkschaften (aaarrrggghhh, s.o.) hielt, ein Vorurteil, daß mir am Abend zuvor ausgeredet wurde. Es handele sich bei den Maydayern um “Hedonisten” hieß es, was immer das so für Leute seien… Klang für mich wie etwas schweinisches, aber ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren. Vor der HU trafen wir dann Paul, der entgegen meiner bisherigen Darstellung der Ereignisse vorher noch gar nicht zur Bezugsgruppe gehörte. Die Sextanerblasen unter uns machten sich auf die verzweifelte Suche nach öffentlichen Badezimmern und verschwanden dementsprechend für die nächste halbe Stunde von der Bildfläche. Überflüssig zu erwähnen, daß nach vollzogener Blasenleerung der überflüssige Nachfrageanruf kam, um sicher zu gehen, daß wir uns tatsächlich nicht von der Stelle wegbewegt hatten, an der wir seit unserem Eintreffen saßen. Support your local net-provider! Faktisch waren wir dort eingekesselt zwischen der Polizei, die sich in ihren überwarmen Uniformen wohl nur mäßig wohlfühlte… und meine Güte waren das junge Leute! Bei potentiell unter 20jährigen mit Knarre im Holster, sollte sich jeder Mensch unwohl fühlen, auch wenn diese staatliche Uniformen tragen…oder grad deswegen…

Nun irgendwann (tendentiell ne Stunde zu spät) ging die “Demo” dann los und es dauerte nicht lange, bis mir auffiel, daß diese Hedonisten von denen ich schon soviel gehört hatte, nicht meine Leute waren. Versteht mich nicht falsch: die Atmosphäre der Demo war entspannt und locker, die Menschen tanzten hinter den zahllosen Lautsprecherwagen und hatten ihren Spaß, aber… es waren nunmal Technos. Ich hab noch nie verstanden, wie man zu derart dumpfen Phythmen freiwillig seine Beine schwingen konnte, aber den Gesichtsausdrücken der Tanzenden nach zu urteilen, war die Hälfte der Teilnehmer eh auf schlechten Drogen. Oder guten, denn zumindest sie hatten ja ihren Spaß. Die Musik war also kacke, wie das mit Techno nunmal so ist, unsere Bezugsgruppe begann sich tanzend einzureihen und ich machte mich gemeinsam mit unseren Photographen auf den Weg der Dokumentation der Geschehnisse. Wir gingen den gesamten Demozug zwei-drei-viermal ab, der Meister fotografierte und ich hoffte, die Lautsprecherwagen würden spontan Feuer fangen, damit die scheussliche Technomucke endlich ein Ende haben würde. War natürlich nicht der Fall. Highlight der Demonstration war eindeutig der exzessive Farbbeutelangriff auf die Fassade des Finanzministeriums, der das in drittem-Reich-grau gehaltene Gebäude ein wenig dekorativer gestaltete. Die Bullen mischten sich zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in die Demo ein, die Stimmung blieb ausgelassen und am Ende bleibt nur die Frage, ob eine solche Veranstaltung tatsächlich klassische Demonstrationen ersetzen kann. Ich weiß es nicht, aber nochmal tue ich mir eine pseudo-politische Loveparade durch irgendeine Stadt nicht an. Nicht mein Ding.

Der/die/das Mayday endete jedenfalls in Kreuzberg, knapp einen Kilometer (oder zwei) vom Kotti entfernt. Wir wurden empfangen mit echter Musik auf der ersten festen Bühne, Boomirgendwas hieß die Band bestehend aus zwei Perkussionisten und einem Keyboarder, sowie dem obligatorischen MC. Seit Breaking The Law, das erste, was ich wieder als Musik bezeichnen würde. Da wir den Rest unserer Bezugsgruppe erstmal verloren hatten, machten wir uns zu zweit auf den Weg zum Kottbusser Tor für die revolutionäre erste Mai Demonstration. Das bedeutete natürlich: erster Blick aufs Kreuzberger Maifest, welches sich nicht übermäßig von meinen Eindrücken aus dem letzten Jahr unterschied. Viele Bühnen, viele Leute, viel Gesaufe und Gefresse. Prägendestes Erlebnis war hiphoppiger Natur. Auf einer Nebenbühne, unweit des Kottbusser Tores, “spielte” eine dieser berliner “hiphop”-”bands”, die weder in der Lage waren, zwei ordentliche Verse am Stück zu rappen, noch irgendetwas niveauvolleres als “Schwanz”,”ficken”oder “Nutte” von sich zu geben…nur drei Minuten Fußweg weiter zeigten uns auf der Antifabühne (offiziellen Namen vergessen) mit “La Resistance” alternde Hiphopper wie gut diese Musik einmal war, bevor talentfreie Berliner die Szene dominierten. Wir machten vor jener Bühne erstmal Pause, da unsere Beine nach nunmehr über 20 Kilometern zurückgelegter Strecke doch schon ein wenig nach Schonung verlangten. Indes, lange war Erholung natürlich nicht möglich, da die letzte Demo des Tages kurze Zeit später auch schon begann.

Im Gegensatz zu der Demostration im letzten Jahr an gleicher Stelle (die zurecht als gemütlicher Spaziergang mit 10.000 Leuten bezeichnet wurde) war dieses Jahr nichts von Gemütlichkeit zu spüren. Die ersten an der Demoroute stehenden Polizisten waren auch die ersten Ziele der Steineschmeisser, was bedeutete, daß die Demo nach knapp 10 Minuten zu einer sich bewegenden Straßenschlacht mit den Ordnungskräften wurde. Da jene wie üblich in ihrer Panzerung gekommen waren, müssten die einzigen Verletzten, die es beim ersten Steinhagel gab, die vorderen Mitdemonstranten gewesen sein. Die Steineschmeisser ignorierten beflissentlich (oder so) die Tatsache, daß in der Flugbahn ihrer Geschosse vieleviele hundert Menschen, die mitdemonstrierten, standen. Ich war noch nie ein großer Freund von Steineschmeissereien und die Tatsache, daß hier ohne Rücksicht auf Verluste grob in Richtung Bullen geschmissen wurde, hat meine Meinung nicht großartig geändert. Es war scheisse.

Egal wieviele Feinde ich mir jetzt damit mache, aber man muss zugeben, daß die Gewalt zu diesem Zeitpunkt (und ehrlich gesagt auch im allgemeinen) ausschließlich von den Demonstranten ausging. Lautsprecherdurchsagen wie “wir fordern die Polizei auf die Provokationen (hier: am Rand der Demo rumstehen) zu unterlassen” oder Sprechchöre aus den Reihen der Demo wie “wir sind friedlich, was seid ihr” waren noch nie in meiner langjährigen Demoerfahrung so voller Hohn wie hier. Trotzdem: man muss zugestehen, daß sich das Argument, daß sich die polizeiliche Provokation aus ihrer unerwünschten Anwesenheit heraus ergibt, nicht ohne Plausibilität ist. Die Erfahrungen in Kreuzberg am 1. Mai sind mit “keine Bullen = kein Stress” durchaus korrekt beschrieben. Wären sie nicht da gewesen (wie zb in den letzten Jahren) wäre auch nichts passiert. Davon abgesehen: sie werden halt dafür bezahlt, sich beschmeissen zu lassen, nicht wahr? Niemand muss Bulle werden, Mitleid ist hier fehl am Platz.
Und: eigentlich war der Aufruhr in Kreuzberg großteilig harmlos: klar, Flaschen, Steine und andere Wurfgeschosse gingen in Massen auf die Polizei nieder, aber es ist doch festzuhalten, daß man damit die in Rüstung auftretenden Ordnungskräfte nicht wirklich groß verletzen kann. Dies war besonders gut zu beobachten, bei der Auseinandersetzung vor der Kreuzberger Feuerwahrwache, wo sicher über 10 Minuten lang Wurfgeschosse auf die ca. 30 Bullen die dort mit dem Rücken zur Wand standen, niedergingen. Es sah böse aus, aber schlussendlich blieben die Beamten offenkundig unverletzt, sonst hätten sie nicht den Mut gehabt immerwieder in den Demonstrationszug einzufallen, um Randalierer einzusacken. So hatten die Randale am Kotti dann auch eher was sportliches: schmeissen, rennen, eingesackt werden auf der einen, beschmissen werden, ausfallen, einsacken auf der anderen Seite – ein großes gewalttätiges Räuber-und Gendarmspiel, von dem eh jeder wusste, daß es stattfinden würde. Man hätte es sicher verhindern können, aber dafür hätte man Kreuzberg Bullenfrei halten müssen. Es ist wahrscheinlich unrealistisch zu erwarten, daß sich diese Einsicht durchsetzt, aber vielleicht sollte die Berliner Polizei eine Anwesenheit im nächsten Jahr überdenken.
Aber: der Angriff auf die Beamten mit Molotowcocktail war wirklich ein garstiger Anblick – das es sich dabei um ein Verbrechen handelt, muss nicht diskutiert werden.
Trotzdem: die Krawalle, die in den Medien so exzessiv dargestellt wurden, gab es eigentlich gar nicht. Ja, es wurden VIELE Steine und Flaschen geschmissen und meistens ohne Provokation aus den Reihen der Randalierer, aber wirklich gefährliche Augenblicke gab es tatsächlich nur die beiden, die als Beipiel in den Medien herhalten mussten: der Molliangriff und die Attacke auf den Streifenwagen. Alles andere war harmlos. Man kann natürlich derartige Gewalttätigkeiten verurteilen (bin auch dagegen), aber man muss nunmal eindeutig sagen, daß diese Straßenschlachten eigentlich nur Sachschaden verursachen und Verletzungen auf Seiten der Polizei oder der Demonstranten Ausnahmen darstellen. Die Bullen sind gepanzert, gut gepanzert.

Wir jedenfalls saßen ca. 1-2 Stunden eingekesselt am Kotti fest und hatten einen sehr guten Überblick über die Ereignisse. Die Polizei ging sehr strategisch vor und dürfte nur selten einen Unbeteiligten verletzt haben. Hut ab kann man da nur sagen. Ein solch ruhiges und gezieltes Vorgehen, wie es die Beamten hier gezeigt haben, wäre bei richtigen Unruhen sicher nicht möglich gewesen. Aber es war nunmal nichts wirklich Aufsehen erregendes, was am 1. Mai in Kreuzberg passiert ist. Es war vielleicht nicht schön, aber sicher auch nicht ausufernd. Sonst wäre der Stress auch nicht bereits gegen 11 Uhr zuende gewesen. Aber so war es nunmal. Verurteilt mich für diese Meinung, wenn ihr wollt, aber meines Erachtens waren die Randale in Kreuzberg dieses Jahr eher harmlos. Auch wenn sie von Beginn an durch starke Gewaltbereitschaft auf der Seite der Demonstranten auffiel. Aber wer da war und gesehen hat, was passiert ist, der wird nicht in aller Ehrlichkeit behaupten können, daß es dort wirklich gefährlich war.

Nun, irgendwann war jedenfalls Schluss für uns, wir hatten 3 Demos besucht, 30 Kilometer zurückgelegt, sind alle gesund nach Hause gekommen und keiner aus unserer Bezugsgruppe hat auch nur einen Stein geschmissen (nur fürs Protokoll) – und damit waren wir konform mit ca. 95% aller Teilnehmer an der “Revolutionären 1.Mai Demonstration” in Berlin-Kreuzberg. Wer das nicht glaubt, sollte es sich vielleicht mal selbst anschauen, anstatt die Berichterstattung zu dem Thema für bahre Münze zu nehmen!

Bleibt mir zum Abschluss nur noch zu sagen: Wir sehen uns nächstes Jahr! Hamburg oder Berlin, aber sicher nicht nochmal auf der Mayday, sorry.

FIN

Öh-Höm…

weiß noch jemand, was ich machen wollte? Nee? Fein… (zumindest SpoilerHell (2) ist immernoch in Arbeit…)
Dann frisch in den neuen Monat, wa? Also ich für meinen Teil war in den letzten Wochen nach Karfreitag hauptsächlich viel draußen und schlicht ohne “Bock auf Blog” – tot ist NWE deshalb noch lange nicht!!!

AAAABER: da ich in zwei Wochen (um+bei) umziehe, kann es sein, daß hier die nächsten Monate wenig passiert…

Für mich selbst (mögliche Artikel):
- Konzert U-Lock Justice & Griechen im KöPi
- der 1. Mai in Berlin
- mal wieder was mit Mucke!
- das Zeug, was ich früher schon machen wollt’

——–

trööööt+kill

d-)

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