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Herzlich Willkommen gelehrte Konsumenten, ungelernte Hilfsarbeiter und willenlose Sklaven zur in diesem Moment aktuellen Ausgabe unseres Leitmotifs auf NewWorld’sEve, dem Steckenpferd des Ohrtes, die heimliche, schriftliche Leidenschaft seines Erschaffers und Einzigen Kontributörs oder wieauchimmerdadheißenmag: Auf ein Bier (die erste Kippe brennt bereits): Prost!

Ahh, Holsten Edel. Ohne Schädel. Denn nur eines; zu viel: Keines. Wir befinden uns derzeit mit dem Spaceship Hawkwind in der Umlaufbahn des Planeten Oberursel Dreißig, einem kleinen Planetoiden westlich des linken Armes des Skapanken Gürtels auf Sturzflug in den Untergang; hoffnungsvoll doch lebensmüde, neugierig (neophil) doch wertekonservativ; als gebildeter ‘kleiner Mann’ auf Weltreise durch die Abgründe asozialer Anziehungskräfte mit ANALysierender Logik antiseptischer Art. Blök.

Kein ökologisches Gewissen und kein antikapitalistischer Geist kann es mir austreiben, Fabrikationen der Automobilindustrie zu verehren, wie kein anderes Werk der Industrie – das Automobil, in seiner ganzen Pracht als Individualreisender ohne Einschränkungen außer der stückweisen Vernichtung der Welt als solchen, ist die brillianteste Erfindung aller Zeiten, so sinnlos und sinnvoll gleichzeitig, so übertrieben fortentwickelt und in kompliziertesten Formen perfektioniert, ist es das Einsame Meisterstück der Ingeniörskunst, die geilste Maschine, die jemals erfunden wurde, der beste Beweis von menschlicher Überlegenheit gegenüber – zum Beipiel – Walfischen.
Diese Woche wurde das stärkste Straßenfahrzeug aller Zeiten angekündigt – der DanSpeed Dynamite oder so ähnlich, ‘Dänisches Dings’ halt – und der neue Fünfer BMW vorgestellt – das wie immer beste Fahrzeug der oberen Mittelklasse, weil es der neue Fünfer BMW ist. Er kann selbstständig einparken, 5 Liter verbrauchen oder mit 5 Litern Hubraum geordert werden (oder zumindest als 550 mit Achtzylinderdoppelturbo – HACH! ACHTZYLINDERDOPPELTURBO – was ein wunderschönes Wort) und wie immer 5 Menschen schnell, gemütlich und sportlich auf jeder Straße der Welt von A nach B bewegen. Kostet viel, gibt viel zurück, wird sich spitzenmäßig fahren. Ich will ein Auto, verdammt.
Der Jaguar XJ12 Series III ist das beste Fahrzeug das jemals gebaut wurde – nur fürs Protokoll.

Wir gleiten ab in die angenehme Selbstbezogenheit der Melancholie und denken einmal kurz an Weihnachten und dabei ausnahmsweise mal kurz daran, daß die Leute die uns den Dreck verkaufen, den wir ungeliebten Menschen schenken, dort wo wir sie kaufen ARBEITEN nicht leben. Danke.

Ich bin Hamburger. Hamburg, das ist: für alle Uneingeweihten:, die schönste Stadt der Welt, der beste Ort zum leben und beseelt mit den tollsten Menschen aller Länder, eine einzigartige Schönheit mit garstigem Wetter, dem unbeherrschtesten Unterschichtshassern in allen Machtpositionen und der wohl weltweit dümmsten linken Szene; eine Perle des Lebensraumes.
Nun sind wir Hamburger seit 1871 fremdbeherrscht von irrsinnigen deutschen Vollpfosten und Möchtegernhitlerkarrieristi und langsam zeigt sich, daß genug genug ist:
WIR MÜSSEN HAMBURG BEFREIEN!
Die harte Faust der deutschen Unterdrückung läßt Uns Hamburger immermehr hinabfallen in die berlinesquen Münchenereien deutscher Unkultur, was dazu führt, daß wir – uns in vermeintlicher Konkurenz zu anderen deutschen Großstädten befindlich fühlend – die Hamburgische Kultur der Eigenständigkeit vernachlässigen. Wir brauchen Mehr Hamburg Weniger Deutschland. Wir brauchen einen anständigen Neuen Seperatismus!

Seperatismus Jetzt! Hamburg Frei von Fremdherrschaft! Weg mit den Parteien der Deutschen Unterdrücker!
Für ein lebenswertes Hamburg!

*keuch*, *schnauf* – sie äxseitment gott mie zrillt ai dohnt no wotto reit ähnniemoor

Achja, die Gentrifiddidingsbums oder wie das heißt. Für uns als Hamburger ist das natürlich ein großes Thema: man schwankt so zwischen ‘hoffentlich wird die Schanze weggegentrifididingsbumst’ und ‘Barmbek Bleibt Pöbelstadt ™ ‘, verflucht die hohen Mieten und lacht über all die Vollidioten, die im Namen der Autonomie letzte Horte des Hirnfaschismus betreiben und sich wundern, warum sie außer ein paar stinkenden Studenten ohne Lebenserfahrung keinerlei Befürworter haben. Unser Lösungsansatz hier bei NewWorld’sEve beschränkt sich erstmal auf ‘Bullen Raus aus St. Pauli’, ‘Davidwache Zum Edelpuff’ und ‘Abwarten und Bier trinken’ – in der Reihenfolge. Das Thema Schanze ist für mich gegessen, Planierraupen können da noch helfen und vollständige Neubebauung mit vaginaförmigen Prunkbauten und geometrischen, sprich: klötzchenförmigen, Wohnbunkern ohne architektonischen Charme – das so ungefähr fünfzig:fünfzig verteilen, immer schön abwechselnt, keine Straßen, nur Plätze; Fertig, ham ordentlichen Stadtteil. Und jeder oberste Stadtentwickler ab jetzt muss mindestens zwanzig Jahre Handelsmarine vorweisen können.

Mein Holsten hat jetzt höchtens noch Bier von Kurzen-Menge in sich, geht schnell son Holsten, und ich finde es ist genug anregendes verbreitet worden. Lest weniger Welt Kompakt, mehr Donald Duck und gehabt Euch wohl; kommt gut durch die Weihnachtszeit und laßt Euch keine schwachsinnigen Feste von der Verwandschaft aufschnacken. Geht mal wieder ins Kino. Raucht mehr Crack. Tötet mehr Würdenträger. Schlaft gut und träumt was Grausiges.

Mein Bier ist leer.

Sorry für alle Info-Sauger, aber ich weiß beim besten Willen nicht mehr, WANN jenes Konzert war (vor nem Monat oder so) oder wie die Griechen hießen, wegen denen man eigentlich kommen sollte – aber sie hatten einen Film mitgebracht über die Krawalle in Athen, yay!

Wie kam es nun also zu meinen ersten (und ob meines Umzugs wohl auch letztem) Besuch im legendären KöPi an der Köpenicker Straße in Kreuzberg? Nun, Jano von U-LOCK JUSTICE rief ein oder zwei Tage vorher an und fragte mich nach der Möglichkeit Obdach für die Band zu gewähren. Sie würden im KöPi spielen und hätten keine Ahnung, wie das midde Schlafgelegenheiten sei. Naja, meine Berliner Wohnung ist (war, wenn Sie dies nach dem 23/05 lesen) groß genug um bis zu 10 Leute aufzunehmen, ohne daß ich auf dem Boden schlafen müsste, weswegen ich zustimmte und dementsprechend natürlich auch zum Konzert ging.

Ein Kumpel von mir hatte gerade in den Tagen davor seine Meinung zum KöPi mehrfach kundgetan. Als Radfahrer auf dessen Nachhauseweg die Köpenicker Straße befahren werden musste, hatte er Horrorstorys über die olfaktorische Beschaffenheit der näheren Umgebung des KöPi zu berichten, die mit “da lag einer besoffen aufer Wiese und (s)ein Hund kackte Zentimeter neben seinen Kopf hin – und der blieb da einfach liegen!” unterstrichen wurden. Ich selbst hatte das KöPi mal beim Spazierengehen durch Kreuzberg gesehen, aber es bis dato weder betreten noch mich ausführlich mit dem Sujet “besetzte Häuser und ihre Bewohner” beschäftigt – man kann sich halt nicht für alles interessieren…

Naja, da ich aus Prinzip Punkkonzerte “gut” gekleidet besuchte (Schlagcordhose plus passendem Jacket, Filzhut, Hemd) fiel ich wohl schon auf, als ich an jenem Abend im KöPi aufschlug, jedoch schienen die meisten Leute da kein Problem mit meinem Aufzug zu haben, auch wenn die eine Bedienung nur widerwillig Limonade an mich abtrat. Fuck her un-gently! Naja, mit fast 29 Lenzen auf dem noch nicht vorhandenen Buckel hatte ich bereits genügend Erfahrungen mit Leuten gemacht, die Toleranz (eine ganz und gar überflüssige Geisteshaltung) predigten, aber in ihrem Umfeld nur uniforme Menschen duldeten. “Alternativ sein” heißt für viele eben nicht umbedingt “anders als jeder” sondern hauptsächlich “anders als Bänker” zu sein…

Aber: die Preise waren dort höchst vernünftigt kalkuliert und Cola gabs auch in 1-Liter-Flaschen, was ich als Durstlappen sehr zu schätzen wusste. Nun unter den Hamburgern (von U-Lock Justice) verbreitete ich also erstmal die Kunde meiner Rückkehr in die Hansestadt, tauschte generelle Informationen über die letzten Monate aus und überraschte sie damit, daß sie zwar den gefordert Eingeladenen nicht treffen würden, dafür aber einen Bekannten, von dem sie gar nicht wussten, daß ich ihn kannte – es war eben jener Kumpel, der sich so abfällig gegen das KöPi geäußert hatte. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, das “Assihaus” auch von innen zu inspizieren, vielleicht sogar um seine Meinung zu revidieren?

Und das ist der Punkt, wo ich mich eventuell für meine Meinung rechtfertigen muss: aber nein, das KöPi stinkt, ist laut und septisch – kurz: das “alternative Leben” geht hier ein bischn zu weit. Ehrlich mal, ich bin jemand, der von Neurodermitis geplagt wird und in schlechteren Zeiten (wie zu diesem Zeitpunkt z.B.) leider einige aufgekratzte Wunden an den üblichen Stellen (Knie- und Armbeugen, Handgelenke und manchmal sogar Achselhöhlen [zum Glück selten]) mit sich rumträgt und in einem solchen Zustand muss man sich einen Besuch des KöPis wirklich gut überlegen. Denn so wie das KöPi (ja auch der “öffentliche” Bereich) sich darstellt, sollte man mit IRGENDEINER offenen, entzündbaren Wunde nicht in die Nähe des Gebäudes gehen. An den Tagen nach dem Konzert im KöPi musste ich jedenfalls wieder anfangen mit Kotison gegen meine Neurodemitis vorzugehen… Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber mir ist das KöPi wirklich einfach ZU eklig – und ich habe schon viel Zeit in dreckigen Löchern (zum feiern oder wohnen) verbracht. Mir tun die Menschen, die dort wohnen MÜSSEN (denn so ist es tatsächlich) wirklich leid.

Also, liebe Berlin-Besucher mit linkem Hintergrund und generellem Interesse an der Hausbesetzerszene: habt ihr gerade akute Hautprobleme oder im Allgemeinen Schwierigkeiten mit heftigen “Dosierungen” von Keimen, Bakterien oder soähnlichemkram – meidet das KöPi so interessant und unterstützenswert der Laden auch ist. Glaubt mir, es ist besser so.
Und an all die Bewohner vom KöPi, die mich jetzt vielleicht als “zu spießig” verschreien: mein Beileid, wenn ihr dort leben müsst, mein Unverständnis, wenn ihr dort freiwillig lebt und nichts gegen den allgegenwärtigen Dreck unternimmt. Sollte ich irgendwann mal genug Geld verdienen um etwas spenden zu können (also im allgemeinen überhaupt jetzt) werde ich versuchen, ans KöPi zu denken und Euch eine Grundreinigung von Fachkräften spendieren. Ehrlich, ich glaub, das ist mal nötig. Würden wir in einer solidarischen Gesellschaft leben, würde der Staat einen solchen Putztrupp zur Verfügung stellen…

Das Konzert reihte sich dann nahtlos in die Berliner Historie der Auftritte von U-Lock Justice bzw. Braindead ein – außer uns standen vielleicht 10-15 Leute vor der Bühne, ob des Eintrittspreises von €5,- (war nebenbei bemerkt ein Soli-Konzert) blieben die Leute lieber vorm KöPi als drinnen der Band zu lauschen (viel mehr war bei den Griechen übrigens auch nicht los). Dementsprechend gut gelaunt waren die Jungs aufer Bühne, spielten dafür aber in der gewohnten Qualität (ordentlich auffe Schnauze :-) )) Ich kann jedem, der auf guten Hardcore-Punk mit einigen Metalanleihen und außergewöhnlichen Gitarrensoli steht, die U-Locker ans Herz legen. Auch wenns nunmal meine Kumpels sind: ich würde nicht blind zu jedem Konzert von Ihnen watscheln, würde es sich nicht auch musikalisch lohnen. Dafür bin ich zusehr Musikfreak…

Das sich ULJ dazu entschlossen hatten, im KöPi zu pennen, konnte ich zwar (s.o.) nicht nachvollziehen, war mir aber ganz recht, weil ich an dem Abend nicht sonderlich fit war (und echt Juckreiz hatte!) und die Veranstaltung nicht spaßig genug war, um dort ne halbe Ewigkeit zu bleiben. Die Griechen übrigens, deren NAmen ich natürlich vergessen habe, waren eine eher mittelprächtige Metalcore-Band mit einem Sänger, der über das Charisma eines toten Nordseefisches in einem Berliner Supermarkt verfügte und im allgemeinen recht monotoner Mucke, die nicht zum Bleiben und Lauschen einlud.
Naja, jedenfalls war der Abend mit den Jungs ganz nett und hat mich gefreut, sie nochmal in Berlin zu sehen, bevor ich hier verschwinde (Samstag isses soweit, Hamburg ich komme!!!!), aber das KöPi werde ich sicher nicht vermissen. Denn es stinkt ist laut und septisch!

Ich weiß, ihr habt sie alle gesehen – die Bilder aus Kreuzberg vom 1. Mai diesen Jahres. Und ich vermute, einige haben sogar ein paar Berichte aus der Presse zu diesem Thema konsumiert, Ich nicht, Wozu auch? Ich war am ersten Mai auf allen drei, “linken” Demonstrationen in Berlin (die Gewerkschaftdemo habe ich selbstverständlich gemieden – VERFLUCHT SEIEN SIE! Elendes korrumpiertes Lobbyisten-Gesindel!) und habe als Teilnehmer meine eigenen Erfahrungen gemacht.

Freitag, 1. Mai, 10:30
[aus dem Gedächnis nachtextend]
“Wir wollen uns [...] treffen [...] noch duschen dann [...]“
“hrmpfelum (schriftlich nicht wiederzugebendes ‘grade aufgewacht’-Gemurmel) … Ess-Ban Frannfurder All?”
“Ostkreuz! Schaffst [...] eine Stunde”
“Klar, bis dann.”
“Bis dann.”
Eine rauchen
Waschen
Eincremen (Neurodemitis)
Rucksack leeren
In den Rucksack:
Kapuzenjacke (Baumwolle, vollverschließbar)
1,5 l Zitronenbrause von Kaufland
Hut
Antiallergikum
Klopapier
Anziehen, eine rauchen, puh!

Keine Ahnung, ob ich rechtzeitig war, ich ging los, sobald es ging. Ausflug nach Köpenik also, wo auch immer das ist, Naziaufmarsch verhindern, NPD-Parteizentrale und so, mit Peter, Paul und Benny. Aber erstmal Vorräte aufstocken, beim freundlichen U-Bahn-Bäcker vom Rathaus Neukölln. Zwei Schokokrossongs undn großer, schwarzer Kaffe, eins-fünfzig genau, danke, danke, schönen Tag.
Die Bahn kommt, Ist sie voll, leer oder medium? Ich stehe jedenfalls, sind nur zwei Stationen, das hält man aus, Musik habe ich keine auf den Ohren, was ich schleunigst bereue, weil sich langsam aber sicher ein unvermittelter Ohrwurm in meinen Gehirnwindungen breitzumachen droht. There I was completely wasted. Umsteigen, Neukölln, mitschwimmen in der Suppe Mensch, emporgetragen zu den Gleisen. All inside its so frustrated as I drift from town to town. Warten, fünf Minuten mindestens, die Menschen reihen sich am Bahnsteig auf. Feel as though nobody cares if I live or die. Also Demotag heute, wie gestern besprochen, drei Demos an einem Tag, beginnend mit der Anti-Nazi-Demo in Köpenick. Ja, ich hab ne Tageskarte. Die Bahn fährt ein. So I might as well begin to put some action in my life.

Es ist gar nicht so weit, der Weg zum Ostkreuz. Breaking the Law.
Drei Stationen, stehen geht. Breaking the Law.
Die Sonne scheint, es ist warm. Breaking the Law.
Telefon…Breaking the-Telefon?!
Ja, bin gleich da, nächste Station, anner S3? Bahnsteig? Hinten? Okay, Bisgleich. Bis gleich.
Benny. (breaking the law)

Natürlich fuhr die S3 nach Köpenik nicht. Autonome hatten die Gleise besetzt. Vorläufig vollständig standen wir, aus einem unerfindlichen Grund in Gesellschaft einer uns unbekannten bekennenden Sozialistin (SDS), ratlos auf dem Gleis gen Osten. Wären noch mehr Studenten dabei gewesen, hätten wir wahrscheinlich ein Plenum gehalten. Doch nein! Der Mann ohne Namen (vergessen, wuschelköpfig) ist im Besitz neuester Technologie und leitet uns um über U-Bahn und Bus. Iphone sei dank, der Tag ist gerettet [/ironie].
Beim Umsteigen erreichten wir perfektes Zigarettenpausebeiaufbahnwarten-Timing, stiegen irgendwo im unzivilisierten Ostteil der Stadt aus und verbrachten unter ob des Wetters fadenscheiniger Wut die nächsten zwanzig Minuten mit Warten (sollte dieser Satz wider Erwarten grammatikalisch korrekt sein, verlange ich einen Keks [mit Schoki]).
Als wir schließlich Köpenique erreichten, war offenkundig, daß wir die Äktschn wohl großteilig verpasst hatten:
Die Hauptstraße am Bahnhodf sah schon nach “Post-Volksfest” aus, Autos fuhren zwar keine, aber es herrschte eine Leere, die uns zeimlich deutlich machte, daß hier nix mehr zu sehen war. Wir machten uns dennoch auf die Suche nach dem antifaschistischen Mob und fanden ihn nach einiger Zeit des Geradeausgehens in einer Seitenstraße, trötent und in der üblichen Form zusammengerottet. Ich glaub eine von diesen nullstimmigen Mädchen, die immer in den Lautsprecherwagen sitzen, erzählte grad mal wieder irgendwas vom Sieg über die Nazis, aber wie üblich (vgl. das beschreibende Adjecktiv vor ‘Mädchen’) konnte man nur ein paar Stichworte hören. Die Erinnerung ist übrigens blass, es könnte auch durchaus sein, daß anstelle eines überflüssigen, weil unverständlichen, Redebeitrags bereits Musik gespielt wurde. “Schrei nach Liebe” hab ich dort jedenfalls gehört, das Lied verursachte ein wenig Nostalgie. Noch schöner war allerdings, daß tatsächlich “Breaking The Law” gespielt wurde, als sich der Lauti schließlich in Bewegung setzte, um einen Marsch bis zwei Straßen weiter zum nächsten Redebeitrag zu beginnen. Köpenniker Nazis fotografierten uns aus den umliegenden Häusern, einer von den Deppen machte sich per Hitlergruß von seinem Balkon strafbar (hab ich nich gesehn, nur gehört) und die hübsche, unbekannte Sozialistin verschwand mit ihrer gefundenen Bezugsgruppe aus unseren Reihen. Bei der Rede unseres guten, alten Opportunistenfreundes Gregor Gysi sah ich sie noch einmal, bevor sie endgültig aus unseren Leben verschwand.

Köpenik war also gegessen und nun begann, was ich “Zeit des überflüssigen Herumlungerns” nennen möchte. Unsere Bezugsgruppe versorgte sich mit studentenkompatiblen Fastfood von Subways und nervte meinereiner mit allgemeiner Bewegungsverweigerung. Als wir schließlich dann doch noch zurück zum Bahnhof gingen, ließen sie mich, wegen meines Kaffe-Kaufs, in Köbbenick zurück – ich irrte zwei-dreimal über den gesamten Bahnsteig, bevor mich Benny per Teflon darüber informierte, daß sie bereits in die andere Bahn gestiegen sein, um durch strategisch kluges Zurückfahren Sitzplätze zu ergattern. Natürlich nannte ich sie “Pissnelken” und “unsolidarisches Pack” als ich mich wieder in ihre Reihen begab. Es ging nun also zur MAYDAY, die vor der HU starten sollte.

Ich wollte ursprünglich nicht zur Mayday, weil ich diese Veranstaltung für jene der Gewerkschaften (aaarrrggghhh, s.o.) hielt, ein Vorurteil, daß mir am Abend zuvor ausgeredet wurde. Es handele sich bei den Maydayern um “Hedonisten” hieß es, was immer das so für Leute seien… Klang für mich wie etwas schweinisches, aber ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren. Vor der HU trafen wir dann Paul, der entgegen meiner bisherigen Darstellung der Ereignisse vorher noch gar nicht zur Bezugsgruppe gehörte. Die Sextanerblasen unter uns machten sich auf die verzweifelte Suche nach öffentlichen Badezimmern und verschwanden dementsprechend für die nächste halbe Stunde von der Bildfläche. Überflüssig zu erwähnen, daß nach vollzogener Blasenleerung der überflüssige Nachfrageanruf kam, um sicher zu gehen, daß wir uns tatsächlich nicht von der Stelle wegbewegt hatten, an der wir seit unserem Eintreffen saßen. Support your local net-provider! Faktisch waren wir dort eingekesselt zwischen der Polizei, die sich in ihren überwarmen Uniformen wohl nur mäßig wohlfühlte… und meine Güte waren das junge Leute! Bei potentiell unter 20jährigen mit Knarre im Holster, sollte sich jeder Mensch unwohl fühlen, auch wenn diese staatliche Uniformen tragen…oder grad deswegen…

Nun irgendwann (tendentiell ne Stunde zu spät) ging die “Demo” dann los und es dauerte nicht lange, bis mir auffiel, daß diese Hedonisten von denen ich schon soviel gehört hatte, nicht meine Leute waren. Versteht mich nicht falsch: die Atmosphäre der Demo war entspannt und locker, die Menschen tanzten hinter den zahllosen Lautsprecherwagen und hatten ihren Spaß, aber… es waren nunmal Technos. Ich hab noch nie verstanden, wie man zu derart dumpfen Phythmen freiwillig seine Beine schwingen konnte, aber den Gesichtsausdrücken der Tanzenden nach zu urteilen, war die Hälfte der Teilnehmer eh auf schlechten Drogen. Oder guten, denn zumindest sie hatten ja ihren Spaß. Die Musik war also kacke, wie das mit Techno nunmal so ist, unsere Bezugsgruppe begann sich tanzend einzureihen und ich machte mich gemeinsam mit unseren Photographen auf den Weg der Dokumentation der Geschehnisse. Wir gingen den gesamten Demozug zwei-drei-viermal ab, der Meister fotografierte und ich hoffte, die Lautsprecherwagen würden spontan Feuer fangen, damit die scheussliche Technomucke endlich ein Ende haben würde. War natürlich nicht der Fall. Highlight der Demonstration war eindeutig der exzessive Farbbeutelangriff auf die Fassade des Finanzministeriums, der das in drittem-Reich-grau gehaltene Gebäude ein wenig dekorativer gestaltete. Die Bullen mischten sich zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in die Demo ein, die Stimmung blieb ausgelassen und am Ende bleibt nur die Frage, ob eine solche Veranstaltung tatsächlich klassische Demonstrationen ersetzen kann. Ich weiß es nicht, aber nochmal tue ich mir eine pseudo-politische Loveparade durch irgendeine Stadt nicht an. Nicht mein Ding.

Der/die/das Mayday endete jedenfalls in Kreuzberg, knapp einen Kilometer (oder zwei) vom Kotti entfernt. Wir wurden empfangen mit echter Musik auf der ersten festen Bühne, Boomirgendwas hieß die Band bestehend aus zwei Perkussionisten und einem Keyboarder, sowie dem obligatorischen MC. Seit Breaking The Law, das erste, was ich wieder als Musik bezeichnen würde. Da wir den Rest unserer Bezugsgruppe erstmal verloren hatten, machten wir uns zu zweit auf den Weg zum Kottbusser Tor für die revolutionäre erste Mai Demonstration. Das bedeutete natürlich: erster Blick aufs Kreuzberger Maifest, welches sich nicht übermäßig von meinen Eindrücken aus dem letzten Jahr unterschied. Viele Bühnen, viele Leute, viel Gesaufe und Gefresse. Prägendestes Erlebnis war hiphoppiger Natur. Auf einer Nebenbühne, unweit des Kottbusser Tores, “spielte” eine dieser berliner “hiphop”-”bands”, die weder in der Lage waren, zwei ordentliche Verse am Stück zu rappen, noch irgendetwas niveauvolleres als “Schwanz”,”ficken”oder “Nutte” von sich zu geben…nur drei Minuten Fußweg weiter zeigten uns auf der Antifabühne (offiziellen Namen vergessen) mit “La Resistance” alternde Hiphopper wie gut diese Musik einmal war, bevor talentfreie Berliner die Szene dominierten. Wir machten vor jener Bühne erstmal Pause, da unsere Beine nach nunmehr über 20 Kilometern zurückgelegter Strecke doch schon ein wenig nach Schonung verlangten. Indes, lange war Erholung natürlich nicht möglich, da die letzte Demo des Tages kurze Zeit später auch schon begann.

Im Gegensatz zu der Demostration im letzten Jahr an gleicher Stelle (die zurecht als gemütlicher Spaziergang mit 10.000 Leuten bezeichnet wurde) war dieses Jahr nichts von Gemütlichkeit zu spüren. Die ersten an der Demoroute stehenden Polizisten waren auch die ersten Ziele der Steineschmeisser, was bedeutete, daß die Demo nach knapp 10 Minuten zu einer sich bewegenden Straßenschlacht mit den Ordnungskräften wurde. Da jene wie üblich in ihrer Panzerung gekommen waren, müssten die einzigen Verletzten, die es beim ersten Steinhagel gab, die vorderen Mitdemonstranten gewesen sein. Die Steineschmeisser ignorierten beflissentlich (oder so) die Tatsache, daß in der Flugbahn ihrer Geschosse vieleviele hundert Menschen, die mitdemonstrierten, standen. Ich war noch nie ein großer Freund von Steineschmeissereien und die Tatsache, daß hier ohne Rücksicht auf Verluste grob in Richtung Bullen geschmissen wurde, hat meine Meinung nicht großartig geändert. Es war scheisse.

Egal wieviele Feinde ich mir jetzt damit mache, aber man muss zugeben, daß die Gewalt zu diesem Zeitpunkt (und ehrlich gesagt auch im allgemeinen) ausschließlich von den Demonstranten ausging. Lautsprecherdurchsagen wie “wir fordern die Polizei auf die Provokationen (hier: am Rand der Demo rumstehen) zu unterlassen” oder Sprechchöre aus den Reihen der Demo wie “wir sind friedlich, was seid ihr” waren noch nie in meiner langjährigen Demoerfahrung so voller Hohn wie hier. Trotzdem: man muss zugestehen, daß sich das Argument, daß sich die polizeiliche Provokation aus ihrer unerwünschten Anwesenheit heraus ergibt, nicht ohne Plausibilität ist. Die Erfahrungen in Kreuzberg am 1. Mai sind mit “keine Bullen = kein Stress” durchaus korrekt beschrieben. Wären sie nicht da gewesen (wie zb in den letzten Jahren) wäre auch nichts passiert. Davon abgesehen: sie werden halt dafür bezahlt, sich beschmeissen zu lassen, nicht wahr? Niemand muss Bulle werden, Mitleid ist hier fehl am Platz.
Und: eigentlich war der Aufruhr in Kreuzberg großteilig harmlos: klar, Flaschen, Steine und andere Wurfgeschosse gingen in Massen auf die Polizei nieder, aber es ist doch festzuhalten, daß man damit die in Rüstung auftretenden Ordnungskräfte nicht wirklich groß verletzen kann. Dies war besonders gut zu beobachten, bei der Auseinandersetzung vor der Kreuzberger Feuerwahrwache, wo sicher über 10 Minuten lang Wurfgeschosse auf die ca. 30 Bullen die dort mit dem Rücken zur Wand standen, niedergingen. Es sah böse aus, aber schlussendlich blieben die Beamten offenkundig unverletzt, sonst hätten sie nicht den Mut gehabt immerwieder in den Demonstrationszug einzufallen, um Randalierer einzusacken. So hatten die Randale am Kotti dann auch eher was sportliches: schmeissen, rennen, eingesackt werden auf der einen, beschmissen werden, ausfallen, einsacken auf der anderen Seite – ein großes gewalttätiges Räuber-und Gendarmspiel, von dem eh jeder wusste, daß es stattfinden würde. Man hätte es sicher verhindern können, aber dafür hätte man Kreuzberg Bullenfrei halten müssen. Es ist wahrscheinlich unrealistisch zu erwarten, daß sich diese Einsicht durchsetzt, aber vielleicht sollte die Berliner Polizei eine Anwesenheit im nächsten Jahr überdenken.
Aber: der Angriff auf die Beamten mit Molotowcocktail war wirklich ein garstiger Anblick – das es sich dabei um ein Verbrechen handelt, muss nicht diskutiert werden.
Trotzdem: die Krawalle, die in den Medien so exzessiv dargestellt wurden, gab es eigentlich gar nicht. Ja, es wurden VIELE Steine und Flaschen geschmissen und meistens ohne Provokation aus den Reihen der Randalierer, aber wirklich gefährliche Augenblicke gab es tatsächlich nur die beiden, die als Beipiel in den Medien herhalten mussten: der Molliangriff und die Attacke auf den Streifenwagen. Alles andere war harmlos. Man kann natürlich derartige Gewalttätigkeiten verurteilen (bin auch dagegen), aber man muss nunmal eindeutig sagen, daß diese Straßenschlachten eigentlich nur Sachschaden verursachen und Verletzungen auf Seiten der Polizei oder der Demonstranten Ausnahmen darstellen. Die Bullen sind gepanzert, gut gepanzert.

Wir jedenfalls saßen ca. 1-2 Stunden eingekesselt am Kotti fest und hatten einen sehr guten Überblick über die Ereignisse. Die Polizei ging sehr strategisch vor und dürfte nur selten einen Unbeteiligten verletzt haben. Hut ab kann man da nur sagen. Ein solch ruhiges und gezieltes Vorgehen, wie es die Beamten hier gezeigt haben, wäre bei richtigen Unruhen sicher nicht möglich gewesen. Aber es war nunmal nichts wirklich Aufsehen erregendes, was am 1. Mai in Kreuzberg passiert ist. Es war vielleicht nicht schön, aber sicher auch nicht ausufernd. Sonst wäre der Stress auch nicht bereits gegen 11 Uhr zuende gewesen. Aber so war es nunmal. Verurteilt mich für diese Meinung, wenn ihr wollt, aber meines Erachtens waren die Randale in Kreuzberg dieses Jahr eher harmlos. Auch wenn sie von Beginn an durch starke Gewaltbereitschaft auf der Seite der Demonstranten auffiel. Aber wer da war und gesehen hat, was passiert ist, der wird nicht in aller Ehrlichkeit behaupten können, daß es dort wirklich gefährlich war.

Nun, irgendwann war jedenfalls Schluss für uns, wir hatten 3 Demos besucht, 30 Kilometer zurückgelegt, sind alle gesund nach Hause gekommen und keiner aus unserer Bezugsgruppe hat auch nur einen Stein geschmissen (nur fürs Protokoll) – und damit waren wir konform mit ca. 95% aller Teilnehmer an der “Revolutionären 1.Mai Demonstration” in Berlin-Kreuzberg. Wer das nicht glaubt, sollte es sich vielleicht mal selbst anschauen, anstatt die Berichterstattung zu dem Thema für bahre Münze zu nehmen!

Bleibt mir zum Abschluss nur noch zu sagen: Wir sehen uns nächstes Jahr! Hamburg oder Berlin, aber sicher nicht nochmal auf der Mayday, sorry.

FIN

Fortsetzung von Teil 1:

Ich kanns ja doch nicht lassen.

Gestern so gegen Mittag hab ich also im Internet nachgesehen, wie das mit dem THE OCEAN-Konzert so aussieht und wurde erstmal 2-fach schockiert: €17,- an der Abendkasse und Beginn 17Uhr30 (Einlass 16Uhr30!!!) – wow, schitt, früh und teuer. Aber sechs Bands, da kann man nicht wirklich meckern. Naja, außer über den Startzeitpunkt halt… 17Uhr30? fürn Konzert am Samstagabend?? DAS nenn ich Fehlplanung. Scheisse also, musste die Erledigungen für Samstag also schnell – naja – erledigen, was hieß: Einkaufen, Haare ab und “Nachlese” vom ‘Haare ab’ – Haare fegen, Rest wegsaugen, kurzes Gewöhnen an 10mm-Schnitt (wie erwähnt hatte ich nis gestern Zottelhaare, die knapp ein dreiviertel Jahr gewachsen waren. Eigentlich wollte ich sie RICHTIG lang wachsen lassen, also wieder Zopflänge [2002 erstmalig weggehobelt, den Zopf], aber irgendwie ging mir das ganze trocknen lassen und pflegen müssen doch schon wieder auf die Klöten. Kurzum: das Konzert war bereits ne Stunde am Laufen, als ich mich endlich auf den Weg machen konnte.

Da auch dieses Konzert in Kreuzberg 36 stattfand, im Lido nämlich, ging ich zu Fuß, was angesichts des höchst angenehmen Wetters eine wahre Freude beinhaltete. Es wurde gerade dunkel, was so ungefähr perfekte Vorraussetzungen für eine Exkusion durch die Kreuzberger Gassen lieferte. Zudem: frisch rasierte Haare und ein wenig Wind bei im allgemeinen angenehmen, frühfrühlingshaften Temperaturen – eine gute Kombination. Ich trank also ein Staropramen auf dem Weg zum Lido, summte Blutjungs (“Und ich schlage mit meinem Skateboard auf ihn ein, friss die Rollen, friss dein Brett und hör endlich auf zu schrein” – Friss Dein Brett vom Album Kinderteller)und Spalthammer Öf Satan (“Murder is my reason, Violence Salvation, Humans are my torment – Devastation! Abolishing the mortal, flesh is my refection, reforming the world for – Mass Destruction!” Polycide aus dem Liveprogramm) fröhlich vor mich hin und fragte etwaige, meinen Weg kreuzende Bewohner des Wrangelkiezes nach dem Weg ins Lido (war da vorher noch nie). Es war ein guter Tag.

Dort angekommen, zahlte ich die Vorabzeche und sah mir die bereits seit längerem spielenden Ira an (Bison B.C. und Madeia hatte ich bereits verpasst, nochmals danke, Lido oder Booker fürs frühe anfangen, Blödmänner), die nebenbei gesagt echt feinster Stoff waren: So’n bisschen psychedelischer Gothicmetal mit ähnlichem Feeling (aber deutlich eigenständig) wie Anathema (heute) oder den melodischen Seiten neueren Doommetals Insel-englischer Schreibweise. Schick, cooler Einstieg und die Lichter und der Bildschirmschoner an der Leinwand hinter der Band passten sich visuell vorzüglich ins Gesamtbild ein. Der Gesang war unaufdringlich emotional, die Mucke ne Ecke schärfer als erwähnte Anathema und alle Musiker verstanden offenkundig was sie dort spielten. Das letzte Lied war ein Knaller mit ruhigen wie schnellen / harten Passagen, feinem Gitarrengeplänkel (aber nicht Bergsolomäßig) und wirklich guter Arbeit durch Rhythmusfraktion und Gesang. Kommen auf die “Watch-Liste”, ist so Musik, die man immer hören könnte, zumindest wenn man nicht gerade in einer auf-keinen-Fall-was-melancholisches-Stimmung ist.

Ira: ich hab Euch auf dem Radar! Ihr seid Klasse.

Danach kamen “(die Band, die in dieser Artikelüberschrift nicht auftaucht, aber zwischen den auftauchenden Bands im urspünglichen Artikel erwähnt wird)” die ich so gut wie vollständig sah, weil sie ganz gut rockten, mir persönlich aber zu sehr “Xxcore” waren, wenn ihr versteht was ich meine… zu modern vielleicht, keine Ahnung. Die Mucke hat auf jeden Fall gut geknallt und war gekonnt zelebriert, ordentliches Nackenmuskelmaterial, was bei mir jedoch nur bedingt hängenblieb. Ist halt nicht meine Mucke, würde mich aber auch nicht stören, wenn sie nochmal zu ähnlichem Anlass auf ner Bühne vor mir stehen würden. Für mich also: so-lala, steht Ihr aber auf komplexe Xxcore-Bands der letzten Jahre, würde ich Euch empfehlen mal reinzuhören, musikalisch war da einiges von hörenswerter Qualität.

Burst hab ich großteilig verpasst, weil ich mich zu der Zeit im “Biergarten” (geht ins Lido und ihr wisst, warum ichs in “” setze, eine Pufftemperatur da drinnen) verquatscht hatte – diese Regelung mit ohne Rauchen im Saal ist für Leute wie mich eben nur mäßig hilfreich. Dafür hab ich als ich auf dem Weg vom Biergarten zum Saal war, entdeckt, daß das Lido Astra Alsterwasser in der klassischen Knolle verkauft, was mir ein wenig Heimatsgefühle mit auf den Weg gab und mich kurzzeitig vom echten Bier wegtrieb. Ich wusste gar nicht, daß Astra sein Alster in Flaschen verkauft, muss wohl neu sein, früher gabs das nur in Dosen, ist aber eine herausragende Idee (auch wenn ich im Lido €2,80 dafür zahlen musste, weil die Berliner irgendwie der Vermutung anheim gefallen sind, Astra sei ein Szenebier… pah, Hauptstädter!). Burst fallen übrigens für mich auch in die Xxcore-Ecke, ein wenig roher als die Band vor ihnen, aber musikalisch irgendwie auch langweiliger. Und der sphärische mit-dem-Effectboard-spielen Gitarrenteil im letzten oder vorletzten Lied (3 hab ich gesehn) kam mir dermaßen pathetisch und deplaziert vor, daß ich bei aller Freude für die teilweise echt geilen Rhythmusbrüche, diese Band nicht wirklich empfehlen möchte. Auch fallen Burst wieder in diese extrem-Gebrülle mit extrem-Geseier abwechsel-Schiene, die ich noch nie so wirklich mochte. Also habe ich nicht so wirklich bereut das meiste vom Konzert verpasst zu haben.

The Ocean.

Muss ich dazu irgendwas schreiben? Seht sie Euch an. Echt. Live ein absoluter Hammer, nur die Ansagen haben ein wenig genervt. Ansonsten: Flawless Victory! Wenn ich irgendwann sprachlich in der Lage bin, die Musik von The Ocean in Worte zu fassen, beziehungsweise, wenn ich mal respektlos genug bin, es zu versuchen, werde ich vielleicht mal eine Albumrezension zu ihnen schreiben, oder einen weiteren Konzertbericht… die schau ich mir nämlich auf jeden Fall nochmal an, das lohnt sich!

Hey, The Ocean: bleibt unter €20,- (meine Schmerzgrenze) und wir sehen uns wieder, jederzeit! Danke für die großartige Musik.

Ich bin the_ohrt, dies ist NewWorld’sEve und ich wünsche jedem Leser einen schönen Abend. Peace & Kill something

t-o-)

Mir ist gerade eingefallen, daß ich zwischen BrainDead und Streetlight Manifesto auch noch bei den Real McKenzies war. Haben in Berlin im Januar oder Fabruar (eher ersteres) gespielt, ich weiß aber grad nicht wie der Laden hieß – war in Kreuzberg 61.

Nach langer Zeit (25/12/08 – BrainDead im Onkel Otto, HH) war ich nun innerhalb von knapp einer Woche auf gleich zwei Konzerten, die für sich genommen als eher unterschiedlich zu bezeichnen sind:

Am 15/03 bei Streetlight Manifesto im Wild At Heart, Berlin und am 21/03 (also gestern) bei The Ocean, Burst, Fear My Thoughts, Ira Bison B.C. und Madeia) im Lido, ebenfalls Berlin.

Da die Konzerte sowohl interessant als auch durchaus besuchenswert waren, möchte ich nun hierzu meine Gedanken äußern, resp. meine Erinnerungen mit Euch teilen, sofern ihr Euch darauf einzulassen bereit seid. Ich beginne chronologisch mit meinen Eindrücken von Streetlight Manifesto + ??? im Wild At Heart am 15. März 2009:

Ich war zugegebener schon ziemlich bis extrem bekifft, als ich aufbrach, unsere liebste Anarcho-Ska-Punk-Mediumsized Band “Streetlight Manifesto” erstmalig live zu begutachten. Am 15. März war es in Berlin noch so verregnet, eher kühl und die Sonne ging noch früher unter als diese Woche. Ich weiß nicht mehr so genau, wann ich aufbrach, aber es war definitiv eine ganze Weile zu früh, weswegen ich erstmal ausgiebig Zeit hatte, “die Ruhe vor dem Sturm” zu genießen. Ein Flens trinken, den Bühnenaufbau betrachten und hören, was der D.J., die Bands, der Barmann oder wer auch immer vor und zwischen dem Konzert die Musik auflegt auflegt. (Der vorherige Satz ist übrigens grammatikalisch korrekt, aber er könnte [wie immer auf diesem Blog], Rechtschreib- und Tippfehler enthalten.). Es liefen professionell produzierte (von 1-2 Ausnahmen abgesehen) Punk-Rock-Coverversionen von ansonsten eher unerträglichen Originalen. Ich erinnere mich an einen 80er-Jahre-Schmachtfetzen, dessen Urheber mir natürlich unbekannt ist, der dermaßen tragisch und punkig zugleich umgesetzt wurde, daß ich fast gewillt war, den wirklich unangenehm 80erjahrigen Text mitzusingen, entschied mich aber dafür nur frölich in mich rein zu grinsen. Das Publikum war eher lau. So ein paar Skakinder und Punkalkis waren da, aber ansonsten befanden sich zu diesem Zeitpunkt unweit vor dem Konzert nur langweilige Mitzwanziger Pseudointellektuellenlinke im “Saal” – und ich hab solche Menschen nur mäßig gerne um mich, weil ich auch in diese Riege falle, aber einen zu anderen Hintergrund habe, um mich wirklich mit ihnen verstehen zu können. Sie sind so P.C. … das muss am bildungsbürgerlichen Hintergrund liegen, ich kann es mir nicht anders erklären, wie man sonst auf die Idee kommen sollte, freiwillig seine Worte in jedem Belangen mit Bedacht zu wählen, damit man niemanden auf die Füße treten kann (es ist schon so ein bisschen igitt). Also blieb ich für mich. Das war in Ordnung, ich war eh so stoned, daß ich Schwierigkeiten hatte, länger als 2 1/2 Sekunden in einer Stehposition zu verharren. Also muss ich ziemlich suchend ausgesehen haben, was ich vielleicht sogar war, ab und an trifft man bei Skakonzerten so andere Durchmenschen (ja, ich meine “Durchmenschen”, erklärs Dir selbst!), mit denen man was anfangen kann. Dem war hier nicht so.

Die erste Band war aus Hamburg und ich habe den Bandnamen nicht verstanden, obwohl der Sänger ihn dreimal gesagt hat – aber er war sooo schüchtern, daß man fast Mitleid hatte, daß der junge Mann auf der Bühne stand. Naja, aber man muss zugestehen: wenn jemand als Vorband einer verhältnismäßig bekannten Unterhaltungstruppe spielt und dabei NOFX-Punk mit gefühlvollen Texten aus dem eigenen Leben singt – in einer fremden Stadt vor fremden Leuten – dann darf dieser Mann wirklich auch ein bisschen schüchtern sein. Is ja verständlich. Auf jeden Fall war die Mucke geil. Der eine Sänger und Gitarrist hat den gefühlvollen Part gesungen (und die meisten Ansagen gemacht), der andere Sänger und Gitarrist hat den Shouter gemacht, was als eine recht angenehme, sehr ausgewogene Mischung präsentiert wurde. Die Mucke war hart und melodisch, poppig und metallisch, hardcore-lastig und trotzdem eindeutig NOFXlich. Es tut mir leid, aber für mich klingen alle melodischeren, abwechslungsreicheren Punkbands immer irgendwie auch nach NOFX. Ich sage/schreibe sowas aber durchaus als Kompliment, weil es für mich bis heute keine bessere 90er-Jahre-und-später-Punkband als NOFX gibt. Sorry Dritte Wahl, ihr seid aber nah dran. Der Schlagzeuger hatte ein “My big Brother used to listen to LAGWAGON”-(oder so ähnlich)T-Shirt an, was mich mehr als einmal zum grinsen brachte. Der Basser war hinten beim Equipment versteckt, keine Ahnung, wie er so war. Das ganze ging also gut vorwärts und auch wenn ich mich nicht an den Bandnamen erinnern kann würde ich mich freuen, die Band nochmal zu sehen.

Die Pause war kurz, der Laden dann voll und die Leute blieben vom gleichen Schlag. Gut viele Mädels, ist halt Ska.

Zum Start von Streetlight Manifesto stand ich noch relativ weit vorne an der Seite, aber die Vernunft und der müpfende Mob trieb mich recht schnell nach hinten vor dem Mischer, bei den Mädels, Brillenträgern und Mitgekommenen. Da sie mit dem einzigen Lied das ich auswendig kannte (“We will fall together” – HACH! Was für eine brilliante Einleitung für einen gemeinsamen Abend, hier bereute ich wirklich das ich das Konzert nicht mit einer bezaubernden Dame in Begleitung besucht hatte) und da ich danach nur mitgehen konnte, aber nicht wusste was kommt, was mir in meinem Zustand und bei der Tanz-, Rempel- und Pogostimmung des Abends als ein wenig unheimlich vorkam, DESWEGEN ALSO war ich hinten im Mob ganz gut aufgehoben. Außerdem ist der Sound vor dem Mischpult meiner Erfahrung nach immer am Besten. Mischer sind halt Genießer. Das Konzert von Streetlight war also feinstens, wie es bei Party-Ska nunmal so ist: alles tanzte, auch wir da hinten, der scheißSchweiß lief von den Wänden, die Leute waren glücklich da zu sein und genügend Menschen kannten die Texte, so daß auch die Musiker auf der Bühne ihr Ego befriedigt sehen konnte (auch wenn sowas solche Band NATÜRLICH gar nicht brauchen). Ein schöner Abend, aber ich war klatschnass. Also raus, Bier von den Engländern schnorren, die ein wenig vollquatschen und gesammelte Erfahrungen in Amsterdam austauschen, Jacke wiederholen und weg da, ab nach Hause in trockene Klamotten. Zugegebenermaßen hätt ich mich auch noch länger mit den Engländern unterhalten, aber die andern Leute auf den Bierbänken machten mir, bekifft wie ich war (Ja, immernoch), ein wenig Sorgen. Der eine war ein polnischer Oiskin, der wohl auf deutsche Wuschelköppe wie mich nur mäßig gut zu sprechen war, was ich aus den englischsprachigen Unterhaltungen dieser Person heraus mitbekam. Außerdem hatte ich den zu Beginn des Konzert ziemlich unsanft in die pogende Menge zurückgeschubst, nachdem er mir kurz vorher in die Seite gepogt war. An der anderen Ecke des Tisches saß ein ziemlich besoffener und sehr offener Bayern-München-Hool, der mit den Engländern und mir einen kiffen wollte. Obwohl er ziemlich nett und gesellig war, war doch auch offenkundig, daß er der Gewalt in seinem Leben recht zugeneigt ist. Die beiden Typen unweit voneinander waren mir ein wenig suspekt, auch wenn der Türsteher vom Wild At Heart ein Guter ist und sicher mit einer etwaigen Eskalation klargekommen wäre, war doch klar, daß es schlicht und ergreifend zu stress kommen könnte. Mit einem solchen Gedanken, einmal gedacht, ist es schwierg, nicht mehr in alte Gepflogenheiten zu verfallen und die potentiellen Streitpole beiläufig im Auge zu behalten. Ich war nämlich auch mal Türsteher, müsst ihr wissen. Ein gemütlicher Verlaug des Abends war mir jedenfalls hier unmöglich, also machte ich mich auf den Weg zurück nach Hause. Und hatte eine angenehme Nachtruhe.

FORTSETZUNG FOLGT (gestern schaffe ich gerade nicht mehr, vielleicht heute später oder im Laufe der nächsten Tage, brauch erstmal ne Tipppause.)

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