New World’s Eve
- Die Novelle
Erster Post:
Am siebten August um fünfzehn Uhr sechsunddreißig brach unvermittelt das gesamte Netz zusammen. Das Internet verschwand von einer Minute auf die andere ohne Hinweise auf die Gründe zu hinterlassen. In den folgenden dreißig Minuten erstarben auch alle anderen digitalen Kommunikationskanäle; das Fernsehen, Telefon- und Handynetze, die digitalen Radioübertragungen auf die zu diesem Zeitpunkt bereits alle kommerziellen Stationen umgestiegen waren. Alles verschwand einfach. Oder, um es theatralisch zu formulieren:
an einem sonnigem Sonntagnachmittag ging die moderne Kommunikationsgesellschaft wie wir sie kannten unter. Es war eine Revolution.
Am Montagmorgen gingen die meisten Menschen einfach nicht zur Arbeit. Büros blieben leer, Geschäfte geschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren nur gelegentlich. Gegen Mittag gab es keine betriebsbereite Tankstelle mehr. Der Flugbetrieb hatte bereits Sonntagabend ausgesetzt. Computer, die versuchten sich ins Internet einzuwählen gaben einfach den Geist auf, genauso wie Mobiltelefone. Niemand wusste, was los war oder zumindest konnte es niemand mitteilen, wenn es doch jemanden gab. Es war als hörte die Welt einfach auf.
Am Montagabend war es dann auch, als ich von den Vorgängen etwas mitbekam. Es klingelte an der Tür. Oswald und Bensen waren es, ein Rucksack mit Bier im Anschlag, breites Grinsen auf den Fressen und sonen seltsamen Blick in den Augen… da stand ich, hatte seit knapp neunundzwanzig Stunden nicht geschlafen, nur gelegentlich „geruht“, mich scheisse ernährt, wenig getrunken, nicht geduscht, in meinen acht-Euro-bei-amazon-Jogginghosen und T-Shirt mit fragwürdigem Aufdruck und meine beiden besten Kumpel standen grinsend vor meiner Haustür, schauten mit schrägen Köpfen auf meine verwahrloste Gestalt und Oswald fragte nach einer endlos erscheineneden Pause auf unschuldige Weise: „Du hast keine Ahnung, was los ist, oder?“
„Ey, ich hab gerade seit gestern knapp zwanzig Stunden nur gezockt, gekifft und Kaffe gesoffen. Warum kommt ihr nicht erstmal rein, muss noch schnell sone scheiß-Endgegner-Cyberhexe umnieten und dann könnt ihr mir alles erzählen, was auch immer und so. Kommt rein, bringt Glück hinein, ihr Nieten.”
Bensen grinste noch etwas breiter und erwiderte mehr zu Oswald als zu mir: “Feine Sache, wir werden nochne ganze Ecke Spaß haben, heute, glaub ich.”
- Ende des ersten Posts -
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